Saal Digital
Fotos & Berge
28.08.2020 / Reise

Iseosee • Lombardei

Nach halber Umrundung des Gardasees gelangen wir zum Iseo-See, allerdings kaum sichtbar wegen der vielen Tunnel. In Pisogne fahren wir noch 450Hm hoch zur Unterkunft, zu Barbara, die in ihrem Haus Alveare sul Lago zwei Zimmer vermietet. Dann wieder runter, um einzukaufen, und wieder rauf. Und dann geht’s los. Die umliegenden Berge sind alle in Grau gehüllt, Blitze zucken, Dröhnen und Rauschen – unheimlich – nähern sich. Kurzes Zögern, und dann ist klar: Hagel. Eis fällt vom Himmel, in der Größe von Walnüssen. Ich versuche, dem Mini eine Art Schutzhaube zu verpassen mit Reepschnur, Plastikfolie und Decke. Nach dem Schrecken – sozusagen als Ausgleich für das verhagelte Willkommen – verwöhnt uns Barbara, sie bringt Pasta und Grappa.


Samstag
Regen, Regen, Regen, Gewitter, Blitz&Donner und Lesen.


Sonntag
Wetter soll besser werden, weiß es aber noch nicht. Mittags fahren wir nicht hinunter zum See, sondern weiter hinauf nach Passabocche 1290m, und gehen auf Schotterstraße zu einer unscheinbaren Kuppe 1567m mit wenig Aussicht und angegliedertem Rifugio Medelet. Es stürmt, graue Wolken, Donner, alles nicht einladend, also auch keine Einkehr. Wir gehen wieder zurück, und bei der Rückfahrt passieren wir einen Hagelbereich, weiße Streifen links und rechts am Straßenrand, optisch aufgelockert mit roten Vogelbeeren.


Montag
Lange Auffahrt zum Passo di Crocedomini 1894m. Ein riesiger Talkessel, Wiesen mit Kühen, die umschließenden Berge verbindet ein Grasgrat, den wir ablaufen wollen. Zuerst aber steil hinauf, bevor der große Halbkreis beginnt über Monte Bazena, Monte Paletti und Monte Asino 2239m. Graue Wolken (immer noch) und in der einen Ferne Donnergrollen und in der anderen Ferne ein Stück Gardasee. Weite grüne Wiesen. In der zweiten Hälfte der Tour kaum mehr Steigspuren, der GPS-Track hilft beim Abstieg. Im Rifugio auf der Passhöhe bestellen wir zwei Bier, es gibt Maxlrainer für 9€.


Dienstag
Abenteuerliche Fahrt auf den Passo del Vivione 1828m. Eine 2m breite Straße, die eine Seite eine senkrechte Felswand, die andere Seite ein senkrechter Abgrund, viele 100m tief. Wir machen eine Seenrunde. Zuerst sind die Laghetti delle Valli dran, und weiter zu den Laghi Asinina, und nach Überschreitung einer Scharte hinunter zum Lago Valbona und zurück zum Rifugio. Weite Wiesenberge. In der Ferne zeigt sich schroffer Kalk, in noch weiterer Ferne Adamello mit Schnee. Blauer Himmel mit riesigen Cumuluswolken, die sich in den Seen spiegeln. Bei der Rückfahrt wird auf die gute alte Sitte, vor der Kurve zu hupen, gerne zurückgegriffen.


Mittwoch
Das fast schon gewohnte Bild, grauer bedeckter Himmel. Barbara hat einen Panoramaweg empfohlen, von Ceratello nach Bossico. Wir fahren runter nach Pisogne und auf der anderen Seite wieder hoch. Wir gehen auf der Strada panoramica, der Regen ist nass, die Sicht nicht vorhanden. In Bossico hört es auf zu regnen, wir besuchen den Friedhof, auf den Gräbern und Todesanzeigen sind Fotos der Verstorbenen zu sehen, ein schöner Brauch, finden wir. Wir kehren um, und fahren noch nach Sale Marasino am Ostufer, um den Schiffsfahrplan zu studieren und eine SUP-Einstiegsstelle zu finden.


Donnerstag
Reif für die Insel. Wir nehmen das Traghetto von Sale Marasino nach Carzone auf der Monte Isola, die 400m über den Iseosee hinausragt. Ganz oben – es kann nicht anders sein – eine Wallfahrtskirche. Vor der inneren Einkehr gehen wir nach Savione und hinunter zur Spiaggia pubblica. Der einen Meter breite Strand ist steinig, die Regenfälle haben viel Holz in den See gespült, das sich auch hier ansammelt. Kleine Wiesenterrassen mit Oliven- und Feigenbäumen. Irgendwie idyllisch. Einsam. Wir schieben das Holz beiseite und schwimmen. Und dann ein trotz bequemen Weges schweißtreibender mühsamer Aufstieg hinauf zur Kirche. Die Höhe mitten im See vermittelt ein seltsames Gefühl, die Aussicht ist eher eingeschränkt durch Bäume. Viele Radfahrer sind unterwegs, mit und ohne Strom. Ein netter Abstieg nach Carzone zum Traghetto.


Freitag
Andere Länder, andere Sitten, das ist okay. Hier ist das Frühstück eher eine süße Angelegenheit, aber heute will ich nicht süß sein und bin eher grantig. Unser Ziel ist die Corna Trentapassi 1248m. In Zone gibt es einen zum Berg passenden Wanderparkplatz. In meinem Frust habe ich allerdings vergessen, die Bergschuhe mitzunehmen. Zum Glück gibt es hier die Erdpyramiden. Also ein Ersatzprogramm, das die Frage aufwirft, warum fallen die Steine nicht runter. Und dann zum Spiaggia pubblica in Marone.


Samstag
Zweiter Versuch. Den Wanderparkplatz in Zone kennen wir bereits. Wir steigen auf, zusammen mit vielen anderen (jungen) Italiener*innen (es ist Samstag), vier Jagdhunde laufen kreuz und quer durch den Wald und bellen, und es ist heiß. Ab der Scharte durch Wiesengelände zum Gipfelkreuz. Eine überwältigende Aussicht, allerdings fehlt die Dunstabzugshaube. Adamello mit weißen Gletschern, die spitzen Felszacken (bereits von der anderen Seite gesehen, vom Passo del Vivione) und sehr tief unten der Iseosee mit der deplatziert wirkenden Insel. Zurück in die Scharte, wir gehen weiter auf einem netten, gelegentlich felsigen Grat hinüber zum Monte Vignole, rechts unten der Lago, links unten Zone. Die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit, es ist unglaublich, seit Stunden läuft die Schweißproduktion auf vollen Touren. Trotzdem erreichen wir den Parkplatz.


Sonntag
Wir fahren an das Südende des Sees, vier große Parkplätze sind ausgewiesen für den Sentiero Cascati. Wir gehen los, und der Sentiero führt uns in und durch eine mehrere Meter breite Schlucht, es ist feucht, viel Grün, kleine Wasserrutschen und kleinere Wasserfälle. Bei der ersten Leiter müssen Hunde und Kinderwagen (es ist Sonntag) die Umgehung nehmen. Es gibt viele Wege, wir kommen vom Weg ab, sind plötzlich auf einem schmalen abschüssigen schmierigen Steig oberhalb des Bachbettes, unten wird an Ketten festgehalten. Die Stressstrecke ist bald vorbei, wir sind wieder richtig, eine zweite Leiter. Alles in einer Mini-Landschaft aus Felsen, Wasser, Grünem und Alpenveilchen. Eine nette Sache, auch ohne Aussicht. Nachmittags sind wir am Strand von Pisogne, in Darsena, aber der Wind ist zu stark fürs SUPpen, aber nicht fürs Baden.


Montag
Vormittags Regen, Wolken, die sich wie ein Lindwurm über den See schieben und alles in ein stumpfes Weiß einfärben, eine weiße Wand vor der Terrasse. Wir fahren später zum Lago Moro hinauf und umrunden ihn, bei einer Statue machen wir Pause, entkorken den Rotwein, dazu Weißbrot und Salami. Sicher ein kleines See-Juwel, wenn die glatte Oberfläche nicht ausschließlich graue Wolken reflektieren würde.

Dienstag
Rückfahrt und Halt am Lago di Caldonazzo.